PSYCHOLOGIE HEUTE: Teamarbeit ist in vielen Unternehmen ein unverzichtbarer Bestandteil der Unternehmenskultur. Doch geraten Teams oft an ihre Grenzen und scheitern. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe?
MICHAEL HENGL: In der Untersuchung, die ich in Kooperation mit der Universität Witten/Herdecke seit Ende 2001 durchführe, erforschen wir Teams in Organisationen vor Ort, aber auch unter Laborbedingungen. Dabei stellten wir fest: Arbeitsgruppen sind sehr erfolgreich, wenn es darum geht, bestehende Abläufe und Prozesse zu optimieren. Hier scheitern sie in nur 26 Prozent der Fälle. Wenn Teams kontinuierliche Veränderungen als Aufgaben durchführen müssen, hilft ihnen ihre Erfahrung. Geht es aber um diskontinuierliche oder sprunghafte Veränderungsprozesse, wie zum Beispiel Wandel, Strategieveränderung oder Expansion in neue Märkte, scheitern über 90 Prozent der Projektteams. Eine bekannte Aufgabe zu verbessern, ist leicht. Etwas wirklich Neues zu schaffen, ist nicht nur schwieriger, als man denkt, es ist sogar schwieriger, als man denken kann.